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Gleichstellung der Geschlechter
In Deutschland ist die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern erreicht. An der tatsächlichen, alltäglichen Gleichstellung muss jedoch weiterhin hart gearbeitet werden. Weltweit gibt es bei der Gleichstellung Fortschritte. Dennoch bestehen immer noch erhebliche Barrieren. Die gesellschaftliche Debatte um die Gleichbehandlung ist geprägt von geschlechtsspezifischen Unterschieden und den damit einhergehenden Rollenbildern für Frauen und Männer.
In der Landesverfassung Mecklenburg-Vorpommerns ist die Gleichstellung von Männern und Frauen als Staatsziel verankert: "Die Förderung der tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern ist Aufgabe des Landes, der Gemeinden und Kreise sowie der anderen Träger der öffentlichen Verwaltung."
Entsprechend des Gleichstellungsgesetzes des Landes MV wird in jeder Dienststelle, in der eine Personalvertretung oder ein Richterrat zu wählen ist, eine Gleichstellungsbeauftragte gewählt. Sie unterstützt die Dienststelle bei der Gleichstellung von Frauen und Männern und der Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Berufstätigkeit für Frauen und Männer. In den Kreisen und Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohner*innen sind Gleichstellungsbeauftragte hauptamtlich tätig.
Wo liegen die Herausforderungen in Deutschland?
Zentral ist eine bessere Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben. Denn sie ist Voraussetzung für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen bei Erwerbstätigkeit und Karriere.
Der Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft, in der Politik und der Wissenschaft ist noch immer zu niedrig. Auch sind Frauen in den sogenannten MINT-Berufen, also in mathematischen, Informatik-, naturwissenschaftlichen und technischen Berufen, unterrepräsentiert. Und das obwohl junge Mädchen in den MINT-Fächern in der Schule gleichwertige Ergebnisse wie Jungen erzielen. Notwendig ist auch eine Aufwertung der erzieherischen, sozialen und pflegerischen Berufe, die traditionell hauptsächlich von Frauen ausgeübt werden.
Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt
Vor allem Frauen sind von Benachteiligungen am Arbeitsmarkt betroffen. Es gilt, faire Einkommensperspektiven zu schaffen und mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Ein Baustein zur Schließung der Lohnlücke ist das Gesetz zur Förderung der Entgelttransparenz zwischen Frauen und Männern. Beschäftigte in Betrieben ab 200 Mitarbeiter*innen können seit Januar 2018 einen individuellen Auskunftsanspruch geltend machen und Auskunft über die Entgeltstrukturen in ihrem Betrieb verlangen.

Um den Anteil von Frauen in Führungspositionen signifikant zur erhöhen, trat am 1. Mai 2015 das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in Kraft. Zuvor war der Frauenanteil in den Führungsetagen deutscher Unternehmen jahrelang stagniert. Zwei Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes zeigt sich: Die Quote wirkt. Alle Unternehmen, die unter die Regelung der festen Quote fallen und neue Aufsichtsratsposten zu besetzen hatten, haben sich an die feste Quote gehalten. Sofern nicht schon ein Frauenanteil von 30 % erreicht war, wurden frei werdende Aufsichtsratsposten durchgehend mit einer Frau nachbesetzt. Mit dem Programm "Zielsicher" will die Bundesregierung Unternehmen bei der Umsetzung des Gesetzes für mehr Frauen in Führungspositionen unterstützen.

Um mehr Frauen den Aufstieg in Führungspositionen in Unternehmen oder Institutionen mit wirtschaftsnahen Strukturen in Mecklenburg-Vorpommern zu ermöglichen, gibt es seit Januar 2013 das landesweite Cross-Mentoring-Programm "Aufstieg in Unternehmen - Mentoring für Frauen in der Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern". In dem Projekt fördert eine erfahrene weibliche oder männliche Führungskraft (Mentor*in) eine weibliche Nachwuchsführungskraft (Mentee) in ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung über einen Zeitraum von ca. einem Jahr. Die Mentees und Mentoren*innen kommen dabei aus unterschiedlichen Unternehmen, um von den verschiedenen Erfahrungen und Unternehmenskulturen der anderen zu profitieren.
Entgeltgleichheits-Check und Gleichbehandlungs-Check
Unternehmen aller Größenklassen können sich freiwillig einem Entgeltgleichheits-Check unterziehen. Der eg-check ist ein Analyseinstrument für Betriebe, mit dem die Ursachen von ungleicher Bezahlung sichtbar gemacht werden können. Der Entgeltgleichheits-Check zeigt die konkreten Ursachen auf und berechnet das finanzielle Ausmaß einer Benachteiligung. Auf den Prüfstand sind sowohl schriftlich niedergelegte Entgeltregelungen als auch die betriebliche Entlohnungspraxis zu stellen, denn in beiden Bereichen kann es zu Benachteiligungen kommen.

Der gb-check ist ein Set von Analysewerkzeugen zur Prüfung der Gleichbehandlung von Frauen und Männern im Arbeitsleben. Die Werkzeuge ermöglichen eine Einschätzung, inwieweit Arbeitgeber*innen die Gleichbehandlung der Geschlechter in verschiedenen Bereichen von Arbeit und Beschäftigung bereits gewährleisten. Außerdem lassen sich Maßnahmen entwickeln, wie Gleichbehandlung zukünftig gewährleistet werden kann.

Unternehmen und Institutionen können für die Prüfungen / Checks ein Zertifikat von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes erhalten. Die Prüfung sollte von einer betrieblichen Projektgruppe aus Mitarbeiter*innen unterschiedlicher Bereiche des Unternehmens durchgeführt werden. Die Projektgruppe kann die Prüfung mit Unterstützung einer externen Begleitung oder selbstständig durchführen.
Gleichstellung bei Bildung und Ausbildung
In der Gesellschaft herrschen noch immer tradierte Rollenmuster vor: Frauen werden typische Eigenschaften wie fleißig, fürsorglich, hilfsbereit und gefühlvoll zugeschrieben. Jungen dagegen erfahren nach wie vor, dass "Mann" Haupternährer der Familie sei sowie karrierebewusst, leistungsorientiert, stark und cool zu sein habe. Diese klischeebelasteten Geschlechterrollen werden in der Familie gefestigt, durch Medien bestärkt und auch in der Schule teilweise vermittelt.

Statistiken belegen, dass Mädchen die besseren schulischen Leistungen erbringen. Doch dies spiegelt sich nicht in ihrer beruflichen Entwicklung wider. Im Berufsfindungsprozess reduzieren Mädchen ihre Berufswahl überwiegend auf zehn sogenannte frauentypische Berufe wie Verkäuferin, Bürokauffrau oder Friseurin. Damit haben sie weniger Aufstiegsmöglichkeiten, weniger Arbeitsplatzsicherheit und ein geringeres Einkommen. Dies wiederum hat im späteren Lebensverlauf zur Folge, dass Frauen häufiger von Altersarmut betroffen sind als Männer. Jungen hingegen beziehen soziale oder erzieherische Berufe wie Altenpfleger oder Erzieher kaum in ihre Berufswahl ein oder trauen sich nicht, diese als typische Frauenberufe geltenden Tätigkeiten zu wählen.

Die Bundesregierung hat den nationalen MINT-Pakt geschlossen. Unter dem Motto "Komm, mach MINT" soll jungen Frauen gezeigt werden, wie die heutige MINT-Berufswelt aussieht und welche Chancen sich für Frauen eröffnen.

Es ist notwendig, das gesamte Spektrum der Berufswelt in den Blick zu nehmen. Deswegen gibt es neben dem Girls' Day seit einigen Jahren auch den Boys' Day. Ziel dieses Aktionstages ist es, den Mädchen und Jungen Einblick in Berufsfelder zu vermitteln, welche sie im Prozess der Berufsorientierung nur selten in Betracht ziehen. Anhand von praktischen Beispielen erleben die Teilnehmer*innen in Laboren, Kindertagesstätten, Altenpflegeheimen, Hotels und Werkstätten, wie interessant und spannend diese Arbeit sein kann.

Die Initiative "Klischeefrei" unterstützt alle am Berufswahlprozess Beteiligten, die Mädchen und Jungen auf ihrem Weg in den Beruf begleiten, der zu ihren Stärken passt – frei von Geschlechterklischees. Das Webportal der Initiative "Klischeefrei" bietet alltagstaugliches (Unterrichts-)Material, Hintergrundinformationen und Beispiele gelungener Praxis zur geschlechtersensiblen Berufsorientierung. Es richtet sich an Fachkräfte aus der Frühkindpädagogik, aus Schulen und Hochschulen, aus Unternehmen und Gewerkschaften sowie aus der Berufsberatung, aber auch an Eltern.
Gleichstellung in Hochschule und Wissenschaft
In Mecklenburg-Vorpommern erlangen seit Jahren mehr Frauen als Männer einen Hochschulabschluss. Bei Promotionen und Habilitationen sind Frauen jedoch stark unterrepräsentiert. Zudem ist die Fächerauswahl von Studentinnen und Studenten je nach Geschlecht unterschiedlich und v. a. bei Frauen sehr eingeschränkt. So studieren Frauen vergleichsweise selten technische oder naturwissenschaftliche Fächer. Auch in Spitzenpositionen der Wissenschaft, sowohl bei Professuren als auch bei der Besetzung von Gremien, ist der Frauenanteil verhältnismäßig gering.
Um den Frauenanteil in Führungspositionen von Wissenschaft und Wirtschaft zu erhöhen, werden an fünf Hochschulen des Landes Studentinnen und Hochschulabsolventinnen bei der Vorbereitung einer Promotion und Habilitation sowie beim Berufseinstieg in die Wissenschaft oder Wirtschaft unterstützt.
Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben
Die gleichberechtigte Aufgabenteilung in Familie und Beruf von Frauen und Männern hat nachweislich an Akzeptanz gewonnen. Mit dem Elterngeld und dem neuen ElterngeldPlus, der Absetzbarkeit von Betreuungskosten, dem flächendeckenden Ausbau der Kinderbetreuung und einem erweiterten Ganztagsschulangebot wurden entscheidende Weichen durch die Bundesregierung für eine bessere Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben gestellt. Das ElterngeldPlus und die Partnerschaftsmonate führen zu mehr Partnerschaftlichkeit in der Erziehung und ermöglichen Frauen frühzeitiger in den Beruf einzusteigen. Das Aktionsprogramm "Perspektive Wiedereinstieg" verbessert die Ein- und Aufstiegschancen von Frauen nach einer familienbedingten Erwerbsunterbrechung.

Die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an gesellschaftlichen Prozessen ist nach wie vor eine Herausforderung. Möglich ist das nur, wenn auch die unbezahlte Sorgearbeit - der Einsatz für Familie, Haushalt und Ehrenamt - von Frauen und Männern gemeinsam wahrgenommen wird. Frauen wenden pro Tag im Durchschnitt 52,4 % mehr Zeit für unbezahlte Sorgearbeit auf als Männer. Dieser Unterschied wird als "Gender Care Gap" bezeichnet. Umgerechnet sind das 87 Minuten Unterschied. So leisten Männer pro Tag im Schnitt zwei Stunden und 46 Minuten unbezahlte Sorgearbeit, bei Frauen sind es vier Stunden und 13 Minuten (vgl. Gutachten für den zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung). Das hat Konsequenzen für die Arbeitszeiten von Frauen und Männern: Männer arbeiten häufiger in Vollzeit als Frauen. Teilzeitbeschäftigung kommt bei Frauen deutlich häufiger vor als bei Männern.

Eine partnerschaftliche Teilung der Sorgearbeit fördert die gleichberechtigten Chancen von Frauen und Männer auf dem Arbeitsmarkt.
Digitaler Gleichstellungatlas

Der digitale Gleichstellungsatlas liefert einen umfassenden Überblick über die regionalen Unterschiede bei der Gleichstellung von Männern und Frauen in Deutschland. Anhand von 38 Indikatoren zeigt er auf, wie hoch der Anteil von Frauen an Führungspositionen in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft ist, welche geschlechtsspezifischen Unterschiede es bei Bildung und Berufswahl gibt oder wie sich Männer und Frauen Erwerbs- und Sorgearbeit aufteilen.

Eine partnerschaftliche Teilung der Sorgearbeit fördert die gleichberechtigten Chancen von Frauen und Männer auf dem Arbeitsmarkt.

Ansprechpartner*innen und Anlaufstellen
Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes arbeitet auf Grundlage des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes. Das AGG schützt vor Diskriminierung aus rassistischen Gründen oder wegen der ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, der sexuellen Identität, des Geschlechts, des Alters oder einer Behinderung. Die Antidiskriminierungsstelle unterstützt und berät Personen, die Benachteiligungen erfahren haben.

Der Landesfrauenrat Mecklenburg-Vorpommern e. V. (LFR) engagiert sich für mehr Chancengleichheit und gleichwertige Lebensperspektiven für Frauen und Männer, Mädchen und Jungen im Land. Der LFR vertritt als Dachverband von 48 Frauenvereinen, gemischten Verbänden und Organisationen die Interessen zum Thema Gleichstellung in öffentlichen politischen Debatten sowie landespolitischen Entscheidungen.
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