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Patchworkfamilien
Aufgrund von Trennungen wandeln sich Familienstrukturen. Etwa 7 bis 13 % deutscher Familien, so schätzt man, leben heute als Patchworkfamilie zusammen. Genaue Statistiken gibt es nicht. Kein Wunder bei so vielen Varianten: neue Lebenspartner*in mit Kindern aus früheren Beziehungen, Ex-Partner*in mit dem Wunsch, ins neue Familienleben integriert zu werden, oder die Adoption eines nicht leiblichen Kindes führen zu vielfältigen und komplexen Familienkonstellationen.
Sorgerecht in Patchworkfamilien
Wenn ein Elternteil das alleinige Sorgerecht ausübt, hat er/sie ein Alleinentscheidungsrecht in Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung für das Kind. Die neue Ehepartnerin oder der neue Ehepartner kann bei alltäglichen Fragen mitentscheiden. Voraussetzung ist, dass der allein sorgeberechtigte Elternteil damit einverstanden ist.

Wenn beide Eltern sorgeberechtigt sind, kann derjenige Elternteil, bei dem sich das Kind aufhält, über Alltagsfragen allein entscheiden, etwa über Schlafens- und Ausgehzeiten oder Kontrollbesuche beim Arzt. Der neue Stiefelternteil hat nur eine Entscheidungsbefugnis, wenn beide Elternteile eine Vollmacht unterschreiben, die dem/der neuen Partner*in ein Erziehungs- und Mitspracherecht einräumt.

Umgangsrecht

Das Umgangsrecht regelt den Anspruch auf Umgang - sowohl den Umgang eines minderjährigen Kindes mit Eltern, Stiefeltern und Dritten als auch andersherum. Auch wenn ein Elternteil kein Sorgerecht hat, steht ihm ein Umgangsrecht zu. Das Umgangsrecht gibt in erster Linie die Befugnis, das Kind in regelmäßigen Abständen zu sehen und zu sprechen. 

Das Umgangsrecht dient dazu, den Kontakt zwischen dem Kind und den Personen, die ihm besonders nahe stehen, anzubahnen, aufrechtzuerhalten und zu fördern. 

Ein Recht auf Umgang haben die Eltern, die Großeltern des Kindes, die Geschwister des Kindes sowie enge Bezugspersonen des Kindes. 

Namensrecht bei Scheidung

Der Familienname des Kindes bleibt bei einer Scheidung bestehen. Heiratet ein Elternteil nach der Scheidung erneut, ist es möglich, dem Kind einen neuen Ehenamen zu geben, wenn Kind und Elternteil in einem Haushalt leben. 

Ist der andere Elternteil mit sorgeberechtigt oder wenn das Kind dessen Namen führt, ist die Einwilligung dieses Elternteils notwendig. Wenn das Kind das fünfte Lebensjahr vollendet hat, muss es selbst in die Namensänderung einwilligen. Einigen sich die Eltern nicht, kann das Familiengericht die Namensänderung zum Wohl des Kindes bestimmen. 

Adoption Stiefkind

Bei einer Stiefkindadoption adoptiert ein*e Ehepartner*in das leibliche Kind des anderen Ehepartners. Eine Adoption kann nur vonstattengehen, wenn beide leiblichen Elternteile einwilligen. Nur unter hohen Anforderungen kann auf die Einwilligung eines leiblichen Elternteils verzichtet werden, zum Beispiel wenn der Aufenthaltsort der Mutter oder des Vaters nicht feststellbar ist. Ab dem 14. Geburtstag muss das Kind der Adoption selbst zustimmen. Zusätzlich bedarf es der Einwilligung des/der gesetzlichen Vertreters*in.

Vormundschaft

Stiefeltern, Großeltern oder Pateneltern können die Vormundschaft für ein Stiefkind beantragen, insbesondere:

  • wenn das Gericht entschieden hat, dass dem leiblichen Elternteil nicht das Sorgerecht übertragen wird, oder
  • wenn der leibliche Elternteil verstorben ist.

Der sorgeberechtigte, leibliche Elternteil kann auch durch ein Testament festlegen, dass das Stiefelternteil nach dem Tod des Elternteils als Vormund eingesetzt werden soll.

Finanzielle Regelungen für Patchworkfamilien

Wenn das Kind in einer Patchworkfamilie lebt, kommen beide leiblichen Eltern weiter für den Unterhalt auf: in Form von Pflege und Erziehung oder als Barunterhalt von dem Elternteil, mit dem das Kind nicht zusammenlebt. Eine gesetzliche Unterhaltspflicht des Stiefelternteils gegenüber dem Stiefkind besteht nicht - auch dann nicht, wenn eine neue Ehe geschlossen wird.


Derjenige Elternteil, mit dem das Kind zusammen in einem Haushalt lebt, erhält das Kindergeld. Wenn das Kind bei beiden Elternteilen im Wechsel lebt, bekommt das Elternteil das Kindergeld, bei dem das Kind sich überwiegend aufhält. Ein Stiefelternteil kann Anspruch auf das Kindergeld für sein Stiefkind haben, das in seinem Haushalt lebt. Voraussetzung dafür ist unter anderem, die Ehe mit dem leiblichen Elternteil oder eine eingetragene Lebenspartnerschaft. Weiterhin muss der kindergeldberechtigte Elternteil schriftlich auf seinen gesetzlichen Anspruch verzichten.


In der gesetzlichen Krankenversicherung sind nur die leiblichen Kinder beitragsfrei mitversichert, der/die neue Lebenspartner*in und Stiefkinder nicht. Je nachdem, ob das leibliche Kind Mitglied in der Familienversicherung des Vaters oder der Mutter war, verbleibt es auch weiterhin in dieser Versicherung.


Bei der Berechnung bestimmter Leistungen für Kinder, wie das Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe, werden Einkommen und Vermögen nicht nur des leiblichen Elternteils, in dessen Haushalt das Kind lebt, sondern auch die des Stiefelternteils berücksichtigt. Steuerliche Freibeträge für Kinder können leibliche Elternteile unter bestimmten Voraussetzungen auf einen Stiefelternteil übertragen, wenn dieser das Kind in seinen Haushalt aufgenommen hat oder gegenüber dem Kind unterhaltspflichtig ist.

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