Gebärdensprache
Zwischen Glücksgefühlen und Alltagsrealität

Das Zusammenleben in Patchworkfamilien stellt neben vielen Glücksmomenten auch hohe Anforderungen an alle beteiligten Personen. Hoffnungen und Erwartungen bestehen bei Kindern und Erwachsenen genauso wie Ängste und Zweifel. Die Neubesetzung der Elternrolle sowie unterschiedliche Besuchsregelungen erfordern viel Toleranz und Kraft von allen Familienmitgliedern.


Zu Hause in zwei Familien

Kinder, die in Stieffamilien aufwachsen, gehören meist zwei Familien an. Die primäre Stieffamilie ist jene, in der sie die meiste Zeit verbringen, in der sie mit jenem Elternteil zusammenleben, der die Obsorge für das Kind hat. Hier herrscht der Alltag des Kindes. Die Kinder verbringen aber auch meist einen (mehr oder weniger großen) Teil ihrer Zeit in der sekundären Stieffamilie.

Kinder können jeweils verschiedene Familienregeln und Formen des Umgangs miteinander kennen lernen, die Fähigkeit entwickeln, sich an unterschiedliche Erziehungsstile anzupassen und flexibel auf Erwartungen zu reagieren. Das Kind hat in Patchworkfamilien oftmals zwei Orte, an denen es sich “zu Hause” , sicher und geborgen fühlen kann. Für das Kind ist es hilfreich, wenn es auch beim außerhalb der Stieffamilie lebenden leiblichen Vater oder bei der Mutter einen eigenen Platz hat, vielleicht sogar ein eigenes Zimmer, jedenfalls Spielsachen, eine Spielecke oder einen eigenen Schreibtisch.

Mehrere Eltern zu haben bedeutet, dass von mehr als zwei Seiten an das Kind Erwartungen herangetragen werden. Meistens wird es versuchen, allen gerecht zu werden. Hier lauert jedoch eine Gefahr: Wer allen gerecht werden möchte, droht zerrissen zu werden. Mitunter wollen die verschiedenen Personen auch Widersprüchliches von ihrem Kind. Solche unterschiedlichen Ansprüche der Eltern führen oft zur Überforderung oder Verunsicherung des Kindes.

Meine, deine, unsere… Neue Geschwister

Oft erhält ein Kind durch Stieffamiliengründung nicht nur neue Eltern, sondern auch neue Geschwister (Stiefgeschwister). Jetzt braucht Ihr Kind vor allem,

  • dass es über seine Ängste und Befürchtungen offen sprechen kann,
  • dass diese von den Erwachsenen ernst genommen werden,
  • und dass der Vater/die Mutter dem Kind zeigt: Ich hab dich lieb wie eh und je!

Anfangs wird ein neuer Bruder oder eine neue Schwester eher distanziert, wie ein neuer Mitschüler oder Konkurrent, betrachtet. Die Rollen auf der Geschwisterebene müssen neu verteilt werden, was für Ihr Kind die Aufgabe von Privilegien ebenso wie die Übernahme neuer Verantwortlichkeiten zur Folge haben kann. Besonders schwerwiegend werden die Veränderungen von Ihrem Kind dann erlebt werden, wenn es bisher das einzige Kind in der Familie war.

Neben diesen Schwierigkeiten, die das Hinzutreten neuer Geschwister für Ihr Kind bringt, ergeben sich aber auch neue Chancen: Ihr Kind erhält neue, gleichrangige Gefährten, mit denen es vieles gemeinsam unternehmen kann. Die neuen Geschwister können füreinander nicht nur Spielgefährten und Freizeitkameraden sein, sie können auch zu Vertrauenspersonen werden, mit denen man die eigenen Schwierigkeiten bespricht.

Wird in Ihre Stieffamilie zusätzlich ein gemeinsames leibliches Kind geboren (Halbgeschwister), so bekommt das bereits in der Familie lebende Kind ein Sonderproblem: Es muss ein “Nesthäkchen” akzeptieren, das vermeintlich von den Eltern bevorzugt geliebt wird.

Die Vielfalt der möglichen Geschwisterbeziehungen in einer Stieffamilie schafft also eine Reihe von Problemen, beinhaltet aber auch eine Reihe von Chancen. Letztere werden aber nur dann zum Tragen kommen, wenn jedes Kind erleben kann, dass es genauso wichtig und wertvoll ist wie seine Geschwister.

Erziehung der Stiefkinder

Bei keinem anderen Thema gibt es derart viele Stolpersteine für den häuslichen Frieden wie in der Frage der Erziehung! Disziplinierung und Umgang mit dem Kind sollten Sie im Vorfeld gut und gründlich abklären und besprechen. Sie sollten mit Ihrem/Ihrer Partner*in klären, inwieweit er/sie überhaupt erzieherisch mitwirken kann und soll. Die gemeinsame Erziehung des Kindes wird logischerweise erleichtert, wenn beide Partner grundsätzlich ähnliche Erziehungsvorstellungen haben.

Familienleistungen
Zum Schwerpunktthema passende Familienleistungen.
Unterhalts- vorschuss
Der Unterhaltsvorschuss ist eine staatliche Leistung für Kinder von Alleinerziehenden. Er hilft, die finanzielle Lebensgrundlage des Kindes zu sichern, wenn der andere Elternteil nicht oder nur teilweise Unterhalt zahlt.
Sorgeerklärung (Sorgerecht)
Die Sorgeerklärung (häufiger auch als Sorgerechtserklärung bezeichnet) ist eine spezielle Willenserklärung der Eltern eines Kindes, die nicht miteinander verheiratet sind, die elterliche Sorge gemeinsam ausüben zu wollen.
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