Vollrausch voraus? Jugendliche und Alkohol

Alkohol ist als oft verharmloste und akzeptierte Droge aus unserer Gesellschaft kaum mehr weg zu denken. Oftmals kommen bereits Jugendliche früh mit Alkohol in Berührung. Bei der ersten Party, der Konfirmation und Jugendweihe ist der erste Drink sowas wie ein ungeschriebenes Gesetz. Doch wann wird Alkohol zur Gefahr und worauf sollten Jugendliche und Eltern achten?

 


Jugendliche & Alkohol

Alkoholkonsum bei Jugendlichen auf dem bisher niedrigsten Stand

Oftmals hat man aufgrund der Berichterstattung den Eindruck, Jugendliche trinken immer früher und deutlich mehr Alkohol als noch vor 10 Jahren. Ist das so? Die Ergebnisse der Studie „Der Substanzkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland. Ergebnisse des Alkoholsurveys 2021 zu Alkohol, Rauchen, Cannabis und Trends“ zeigen, dass der regelmäßige Alkoholkonsum bei Jugendlichen auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen gesunken ist. Im vergangenen Jahr tranken 8,7 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen nach eigenen Angaben mindestens einmal pro Woche Alkohol. Im Jahr 2011 waren es rund 14 Prozent und bei der ersten Erhebung im Jahr 1979 noch ein Viertel der Befragten. Der erste Alkoholkonsum findet in dieser Altersgruppe im Durchschnitt mit 14 Jahren statt.
Wenn Kinder und Jugendliche in ihrer Familie mit Alkohol in Berührung kommen, also Angehörige Alkohol konsumieren und sogar abhängig sind, steigt auch das Risiko später selbst in eine Abhängigkeit zu geraten. „Kinder, die in Familien mit Suchtproblemen aufwachsen, tragen ein erhöhtes Risiko, später selbst mit Süchten zu kämpfen oder psychische Herausforderungen wie Ängste, Depressionen und andere psychische Leiden zu entwickeln. Daher stellen sie eine bedeutsame Zielgruppe für präventive Maßnahmen gegen Suchterkrankungen dar.“, so Birgit Grämke von der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen (LAKOST) MV.

 

Frühzeitige Prävention kann Kinder & Jugendliche schützen

Eine wirksame Alkoholprävention basiert auf einer ganzheitlichen und abgestimmten Herangehensweise, die verschiedene Aspekte berücksichtigt. Informationen über die Auswirkungen von Alkohol und die Risiken des übermäßigen Konsums sollten frühzeitig und verständlich vermittelt werden – sowohl in Schulen als auch in der Familie. Jugendliche sollten Fähigkeiten entwickeln, um mit Stress, Peer-Druck und anderen emotionalen Herausforderungen umzugehen, ohne auf Alkohol zurückzugreifen. Auch die Schaffung von Alternativen zum Alkoholkonsum, wie Sport, Kunst oder soziales Engagement, trägt dazu bei, dass Jugendliche ihre Zeit sinnvoll und gesundheitsfördernd nutzen. Regulierungen zur Begrenzung des Alkoholverkaufs an Minderjährige und in bestimmten Zeiten oder Orten können dazu beitragen, den Zugang zu Alkohol einzuschränken. Eltern sollten als Vorbilder fungieren, indem sie einen verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol vorleben und mit ihren Kindern über die Risiken sprechen.
Studien legen nahe, dass Alkoholkonsum in jungen Jahren die Belohnungsreaktion des Dopaminsystems auf Alkohol bis ins spätere Leben verstärkt und so Menschen längerfristig anfälliger für Alkoholsucht macht“, erklärt Prof. Dr. Hans-Jürgen Nentwich, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des Expertengremiums beim Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Wer im Alter von 12 Jahren beginnt, Alkohol zu trinken, hat ein um 41% erhöhtes Risiko, später unter Alkoholsucht zu leiden - verglichen mit 17% und 11% für diejenigen, die im Alter von 18 bzw. 21 Jahren damit anfangen.

 

Auch Energy-Drinks können gefährlich werden

Immer öfter liest man nicht nur von gefährlichen Folgen von Alkohol, sondern auch von Energy Drinks, die bei Jugendlichen teils verheerende Wirkungen haben können. Woran liegt das eigentlich? Birgit Grämke betont, dass die Inhaltsstoffe der koffeinhaltigen Getränke bedenklich sind. Die Drinks enthalten nicht nur Koffein, sondern auch überdurchschnittlich viel Zucker, Taurin oder Guarana und teils auch synthetische Vitamine, welche die aufputschende Wirkung verstärken sollen. „Energy -Drinks mit Alkohol zu mischen ist keine gute Idee. Konsumenten bemerken etwa den Rausch nicht. Das Koffein soll die Müdigkeit, die der Alkohol teilweise auslöst, unterbinden. Es kann zu Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, Schweißausbrüchen, erhöhter Atemfrequenz kommen.“ Energy Drinks sind relativ günstig und es gibt in Deutschland kein gesetzliches Mindestalter für den Kauf und Verzehr. Allerdings gibt es keine Abgabepflicht, sodass Handelsunternehmen sich dafür entscheiden können, diese Getränke erst an Jugendliche ab einem Alter von 16 Jahren zu verkaufen. EDEKA hat sich dazu z.B. entschlossen.
Eltern sollten sich klarmachen, dass ein Energy Drink bei Erwachsenen anders wirkt als bei Kindern und darum das Getränke für Kinder nicht kaufen und diesen auch nicht anbieten. Den Kindern sollte erklärt werden, was alles in einem Energy Drink drinsteckt und welche Folgen der Konsum haben kann. Nur Wasser trinken finden die Kinder vielleicht auch langweilig, aber da gibt es bessere Alternativen für ein Getränk mit Geschmack.

 

Anzeichen für Alkoholsucht & Alkoholvergiftung

Wie können Eltern erkennen, ob ihre Kinder zu viel Alkohol konsumieren? Gibt es Alarmsignale, die auch im Alltag auffallen? „Veränderungen im Verhalten könnten Anzeichen sein. Dazu gehören ein Nachlassen der Leistungen in der Schule, das Aufgeben oder häufiges Wechseln des Freundeskreises und ein Rückzug in die Isolation. Auch wenn ein Jugendlicher plötzlich seine bisherigen Interessen aufgibt oder teilnahmslos ist, sollten Eltern wachsam sein. Körperliche Signale wie gerötete Augen, zitternde Hände oder Schweißausbrüche könnten ebenfalls ein Anzeichen für ein problematisches Trinkverhalten sein.“ sagt Birgit Grämke.
Wenn nach Alkoholkonsum der Verdacht auf eine Alkoholvergiftung besteht, der oder die Betroffene kaum noch ansprechbar ist, bewusstlos oder benommen wirkt, sollte man sie/ihn als erstes in die stabile Seitenlage bringen und einen Rettungswagen rufen. Man sollte versuchen den Jugendlichen wach zu halten und nicht allein lassen.

 

Kontaktstellen für Alkoholberatung

Alle Eltern können sich kostenlos und ohne Krankenkassenkarte bei einer Suchtberatungsstelle beraten lassen. Gemeinsam wird dann die Situation besprochen und die Eltern bekommen Tipps für das weitere Vorgehen. Die Mitarbeiter:innen in den Beratungsstellen sind die Profis die auch erkennen, ist es eine Sucht oder eher ein problematisches Verhalten. Jedes Problem und jeder Mensch ist anders und darum wird auch ganz individuell auf die Situation geschaut. Suchtberatungsstellen in M-V findet man hier: https://www.lakost-mv.de/unterstuetzung

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