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Mediennutzung von Kindern - Chancen und Risiken
Familienleben in MV | Hilfe & Beratung
15. Oktober 2021 | Jacqueline Koch

Fast jeder von uns nutzt sie – oft mehrmals täglich: digitale Medien, Online-Plattformen und dazugehörige Endgeräte. Vom Smartphone und Tablet über den Laptop oder den Smart TV – all diese technischen Errungenschaften prägen und bestimmen mit ihren digitalen Möglichkeiten unseren modernen Alltag.

Auch Kinder und Jugendliche wachsen ganz selbstverständlich in diesem digitalisierten und digital vernetzten Alltag auf und können sich in den meisten Fällen eine Welt ohne Internet gar nicht mehr vorstellen. Insbesondere bei Jugendlichen ist die Nutzung von Handys bzw. Smartphones keine Seltenheit mehr, aber auch mehr als die Hälfte der Kinder zwischen sechs und neun Jahren benutzen ab und zu schon ein Smartphone (vgl. Berg 2019). Außerdem besitzt die Mehrheit der Kinder mit bereits 10 Jahren ihr eigenes Smartphone:

(Quelle: Berg 2019)

Das Recht der Kinder auf Mediennutzung

Gemäß der UN-Kinderrechte haben Kinder und Jugendliche ein Recht auf Zugang zu den Medien und ein Recht auf freie Meinungsäußerung und Informationsbeschaffung – eben auch in digitalen Räumen (lesen Sie hierfür gern unseren Blogbeitrag zum Thema Kinderrechte). Hierbei ist wichtig und wünschenswert, dass insbesondere Kindern und Jugendlichen ein sicherer und diskriminierungsfreier Zugang und Umgang in und mit den sozialen Netzwerken ermöglicht wird. Dies kann bei kleineren Kindern zum Beispiel durch die Nutzung altersentsprechender Webseiten und Suchmaschinen wie www.fragFINN.de, www.blinde-kuh.de oder YouTube Kids ermöglicht werden.

Aber auch ältere Kinder und Jugendliche können und sollten durch bestimmte (Privatsphäre-) Einstellungen im Browser oder auf privaten Plattformen wie Facebook, TikTok und YouTube geschützt werden. Diese speziellen Sicherheitseinstellungen, können von Eltern bzw. mit den Kindern zusammen vorgenommen werden, bevor das Kind bestimmte Plattformen zum ersten Mal alleine nutzt. Auch durch frühzeitige Aufklärung über potentielle Risiken (wie etwa Gewalt im Internet, Grooming oder Cybermobbing – siehe unten) kann ein Umgang mit solchen potentiellen Gefahren bereits im Vorhinein besprochen und die Kinder im besten Fall gestärkt und geschützt werden.

Hierbei kommt also vor allem Eltern und pädagogischen Fachkräften eine wichtige Bedeutung zu. Wie eine gute und altersentsprechende Unterstützung und Begleitung aussehen kann, zeigt die folgende Grafik:

(Quelle: Berg 2019)

Eltern können sich zum Beispiel auf den Webseiten www.schau-hin.info, www.klick-safe.de oder www.spielbar.de darüber informieren, was altersgerecht ist – seien es Spiele oder soziale Dienste und Plattformen.

Richtig eingesetzt bieten digitale Medien Kindern und Jugendliche viele Chancen und Möglichkeiten,

  • sich Informationen zu beschaffen,
  • Nachrichten aus Deutschland oder der Welt zu verfolgen,
  • mit Video- oder Tonaufnahmen kreativ zu werden, und durch Spiele ihre reaktiven und erfinderischen Fähigkeiten erweitern,
  • sich mit Freundinnen und Freunden oder Mitschülerinnen und Mitschülern auszutauschen.

Insbesondere in Zeiten des Lockdowns waren die digitalen Medien ein wichtiges – wohlmöglich DAS wichtigste – Instrument, um mit dem Freundeskreis und der Klassengemeinschaft in Kontakt zu bleiben.

Dürfen Kinder und Jugendliche die kommerziellen Dienste wie Instagram oder WhatsApp nicht nutzen, z. B. weil die Eltern dies nicht erlauben, besteht die Möglichkeit, dass die Kinder innerhalb der Klasse oder des Freundeskreises ausgegrenzt werden.

Dabei sein und mitreden können ist also ein zentrales Anliegen – dies sollte bei all der Vorsicht ebenfalls bedacht werden.

Potentielle Risiken der Mediennutzung

Durch die zahlreichen Möglichkeiten der sozialen Medien, sich mobil mit Freundinnen und Freunden auszutauschen, Fotos oder Videos zu versenden, zu chatten, zu kommentieren oder die eigene Meinung jederzeit online zu veröffentlichen, verschwimmen jedoch auch die Grenzen zwischen Öffentlichem und Privatem.

Dies bietet nicht nur Vorteile, sondern bringt auch einige Risiken mit sich, wie zum Beispiel:

  • Cybermobbing – im Internet beleidigt oder „fertig gemacht werden“,
  • (Cyber-)Grooming – sexuelle Anmache/Grenzüberschreitung und das Teilen sexueller Inhalte
  • Das Publizieren von Fake-News („Falsch-Meldungen“) oder Hate-Speech („Hass-Reden“)
  • Nutzung von altersunangemessenen Spielen oder Inhalten (Gewalt, Pornografie)
  • das generelle Suchtpotential der digitalen Medien und Spiele (Medienabhängigkeit)
  • „versehentliche“ oder versteckte Online-Käufe in Spielen oder Apps

Diese Aufzählung soll nicht beunruhigen, sondern vielmehr darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, diese und andere potentiellen Gefahren zu kennen und Kinder und Jugendliche über diese aufzuklären. Eltern sollten daher nicht aus dem Blick verlieren, was ihre Kinder im Internet bzw. auf mobilen Endgeräten machen bzw. womit sie in Kontakt kommen könnten. Webseiten wie Klicksafe oder Schau-hin bieten Aufklärung über diese oben genannten Risiken.

Auf klicksafe.de gibt es z.B. eine Übersicht über Warnsignale im Chat, die auf Cybergrooming hindeuten können und auf beiden Webseiten wird aufgezeigt, wie man Kinder gezielt davor schützen und sich im Ernstfall Hilfe holen kann.

Das Phänomen Cybermobbing betrifft vor allem die 12 bis 19-Jährigen, wobei etwa 20 Prozent dieser Kinder und Jugendlichen berichten, dass jemand schon mal beleidigende oder falsche Dinge über sie selbst Online verbreitet hat (Quelle: MPFS, JIM-Studie 2019). Dennoch vertrauen sich nur etwa die Hälfte der Betroffenen ihren Eltern an, wenn sie etwas Negatives im Internet gesehen oder erlebt haben. Viel häufiger sprechen sie mit Freundinnen oder Freunden darüber, ein geringer Teil spricht aber auch mit Niemanden darüber (vgl. Hasebrink et al. 2019).

Fazit: (Frühe) Mediennutzung bei Kindern begleiten ist wichtig!

Trotz der genannten Risiken von sozialen Medien oder kommerziellen Plattformen (wie TikTok, Facebook, YouTube oder SnapChat) sollten diese nicht pauschal verteufelt oder verboten werden. Im Gegenteil: Es ist wichtig, sich ganz genau mit Nutzungsbedingungen und Einstellungen sozialer Dienste auszukennen und zu beschäftigen, um Kindern einen möglichst sicheren und kompetenten Umgang damit zu ermöglichen.

Insbesondere deshalb ist sogenannte „Medienbildung“ oder „Medienerziehung“ durch Eltern und pädagogische Fachkräfte wichtig und sinnvoll! Sie sollten die Kinder bereits bei den ersten Zugängen zum Internet aktiv begleiten und unterstützen, und dem Alter entsprechend über Risiken aufklären.

Auf den oben bereits benannten Webseiten finden sich umfängliche Informationen für Erwachsene. Auf folgenden Webseiten können Kinder geschützt im Internet surfen:

 

Quellen:

  • www.klicksafe.de
  • www.schau-hin.info
  • Berg (2019): Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt. Bitkom-Studie. [unter: Link].
  • Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (MPFS) (2020): JIM-Studie 2019. Jugend, Information, Medien [unter: Link].
  • Hasebrink, et al. (2019): Online-Erfahrungen von 9- bis 17-Jährigen. Ergebnisse der EU Kids Online-Befragung in Deutschland 2019. Hamburg: Verlag Hans-Bredow-Institut. [Link]
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