KiFaZe in MV – Kitas als Treffpunkte für Familien, Beratung und gemeinsame Aktivitäten
Franziska Liphardt-Lange und Christina Knaut im Interview
Familienleben in MV | Hilfe & Beratung | Frühe Hilfen in MV
5. März 2026 | Diana Wienbrandt

Familienalltag bringt viele Themen mit sich – von Kindererziehung und Betreuung bis zum Austausch mit anderen Eltern oder dem Wunsch nach Unterstützung. Kinder- und Familienzentren (KiFaZ) greifen diese Bedarfe auf und bieten Orte, an denen Familien Beratung, Kurse, Begegnung und praktische Hilfe finden können.

In Mecklenburg-Vorpommern entstehen derzeit neue Kinder- und Familienzentren in verschiedenen Regionen des Landes. Im Interview erklären Franziska Lipphardt-Lange und Christina Knaut von der Servicestelle KiFaZ M-V, wie diese Zentren arbeiten, welche Angebote es gibt und warum sie für Familien wichtig sind.

Franziska Liphardt-Lange & Christina Knaut
Mehr Infos auf der Website der KiFaZ M-V

Franziska Liphardt-Lange & Christina Knaut

Welche Aufgabe hat die Servicestelle Kinder- und Familienzentren MV und warum ist sie wichtig für Familien im Land?

Die Servicestelle KiFaZ M-V begleitet die Kinder- und Familienzentren im ganzen Bundesland bei ihrem Aufbau und ihrer Weiterentwicklung. Sie unterstützt die Einrichtungen dabei, passende Angebote für Familien zu entwickeln und gut im Sozialraum zu vernetzen.
Dabei ist sie Ansprechpartnerin für Erfolge, aber auch für Stolpersteine im Alltag der Zentren. Ziel ist, dass Familien die Angebote der Kinder- und Familienzentren leicht finden und nutzen können und dass Unterstützung dort ankommt, wo sie gebraucht wird.

Was ist ein Kinder- und Familienzentrum (KiFaZ) und was unterscheidet es von anderen Familienan-geboten?

Kinder- und Familienzentren entstehen meist aus einer Kita heraus und entwickeln sich zu Orten, an denen Familien mehr finden als Betreuung, Bildung und Erziehung. Neben den Familien der Kita können auch andere Familien aus dem Umfeld die Angebote nutzen – zum Beispiel Krabbelgruppen, Beratung, Elternkurse oder gemeinsame Aktivitäten.
Jedes KiFaZ hat zudem eine Person, die die Angebote und Aktivitäten koordiniert. Dadurch können Angebote gezielt organisiert und vernetzt werden, ohne das Kita-Team zusätzlich zu belasten.

Der Unterschied zu vielen anderen Orten für Familien liegt darin, dass ein KiFaZ verschiedene Angebote an einem Ort bündelt: Familien können dort nicht nur teilnehmen, sondern werden bei Bedarf auch zu weiteren Unterstützungs- und Beratungsangeboten im Umfeld weitervermittelt. Kinder- und Familienzentren sind damit Treffpunkt, Unterstützungsort und Wegweiser zugleich.

Welche KiFaZe gibt es bereits in Mecklenburg-Vorpommern und wo entstehen neue Standorte?

Unser Projekt sieht vor, dass es in jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt bis zu zwei Kin-der- und Familienzentren geben kann – insgesamt sind also 16 Kinder- und Familienzentren möglich. Momentan stehen wir bei zehn Einrichtungen, die sich erfolgreich auf den Weg zum KiFaZ gemacht haben: Neubukow, Güstrow, Rostock Groß-Klein, Rostock Lütten-Klein, Schwerin, Parchim, Dargun, Stralsund, Bergen auf Rügen und Zinnowitz auf Usedom. Neue Standorte können noch im Landkreis Ludwigslust-Parchim, im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, Landkreis Nordwestmeck-lenburg, Landkreis Vorpommern-Greifswald sowie in Schwerin entstehen.

Welche konkreten Angebote können Familien in einem KiFaZ nutzen – für Kinder, Eltern und die ganze Familie?

Die Angebote im KiFaZ sind so vielfältig wie die Menschen, die das KiFaZ besuchen. Viele Angebote finden in den Bereichen Familienbildung (z.B. Elternkurse, Eltern-Kind-Angebote, Themenrunden) oder den Frühen Hilfen statt (z.B. Krabbelgruppen, Beratung). Auch Angebote für Rentner*innen werden durchgeführt. So hatten das KiFaZ in Parchim beispielweise eine tolle Aktion gegen Ein-samkeit in der Weihnachtszeit durchgeführt. Im KiFaZ in Rostock Lütten-Klein gibt es einen Mittags-tisch für Senior*innen und auch Sportangebote für ältere Semester.

Wie können Familien sich über Angebote informieren oder eigene Bedürfnisse und Ideen in ihre KiFaZe einbringen?

In jedem KiFaZ gibt es mindestens eine Person, die alle Aktivitäten koordiniert und eng mit dem Kita-Team zusammenarbeitet. Eltern, deren Kinder bereits die Kita besuchen, kennen diese Person meist schon – zum Beispiel aus dem Alltag oder von Elternnachmittagen. Angebote werden daher häufig direkt im persönlichen Kontakt weitergegeben.
Familien aus dem Umfeld oder dem Stadtgebiet können sich über verschiedene Wege informieren, etwa über die Websites der Träger, die Website der Familieninfo MV, Social Media, Aushänge, Handzettel oder Kita-Apps.


Die KiFaZ-Koordinator*innen sind sehr offen, wenn Familien ihre Bedürfnisse und Ideen einbringen möchten. Viele Zentren führen auch Elternbefragungen durch, um herauszufinden, welche Angebote oder Themen sich Familien wünschen.

Wie können Familien aktiv an der Weiterentwicklung von KiFaZe vor Ort beteiligt werden?

Die Idee der Kinder- und Familienzentren ist, Angebote gemeinsam mit Familien zu entwickeln. Eltern, Kinder und Fachkräfte sollen dabei partnerschaftlich zusammenarbeiten.

Familien können ihre Wünsche und Perspektiven zum Beispiel in Gesprächen, Workshops, Feedback-Runden oder Befragungen einbringen - die KiFaZe bieten dafür unterschiedliche Beteiligungsformate an und informieren darüber. Auch bei der Gestaltung von Angeboten oder bei der Vernetzung im Sozialraum können sie mitwirken. Wichtig ist dabei auch die Sicht der Kinder: Ihre Erfahrungen und Ideen fließen ebenfalls in die Weiterentwicklung der Zentren ein.

So entstehen Kinder- und Familienzentren, die sich an den Bedürfnissen der Familien vor Ort orientieren und gemeinsam mit ihnen weiterentwickelt werden.

Welche Entwicklungspotenziale sehen Sie für die KiFaZ-Landschaft in MV in den kommenden Jahren?

Wir sehen für die Kinder- und Familienzentren in Mecklenburg-Vorpommern großes Entwicklungspotenzial. Gerade in einem Flächenland mit vielen ländlichen Regionen können KiFaZe wichtige wohnortnahe Anlaufstellen für Familien sein. Entscheidend wird sein, diese Zentren weiterzuentwickeln und langfristig abzusichern.

Wichtige Entwicklungsschwerpunkte sehen wir vor allem in vier Bereichen:

  • Stärkere Vernetzung im Sozialraum: KiFaZe können noch stärker zu Knotenpunkten werden, an denen frühkindliche Bildung, Familienberatung, Gesundheitsangebote und Jugendhilfe zusammenwirken
  • Mehr Beteiligung von Familien und Kindern: Familien sollen Angebote nicht nur nutzen, sondern auch mitgestalten – etwa durch Beteiligungsformate, Gespräche oder gemeinsame Planung von Angeboten.
  • Gute Erreichbarkeit – auch im ländlichen Raum: Mobile Angebote, regionale Kooperationen oder digitale Ergänzungen können helfen, Familien auch bei größeren Entfernungen zu erreichen.
  • Stärkung der Fachkräfte und verlässliche Rahmenbedingungen: Qualifizierung, Austausch sowie ausreichende Personal- und Finanzierungsstrukturen sind wichtige Voraussetzungen für stabile Angebote.

Wir sind überzeugt, dass sich die KiFaZ-Landschaft in Mecklenburg-Vorpommern weiter zu einer wichtigen Infrastruktur für Familien entwickeln kann – als Orte der Begegnung, Unterstützung und Bildung.

Vielen Dank für das Interview!

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