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Veranstaltungstipps
Schutz vor Gewalt
Jeder Mensch hat das Recht darauf, gewaltfrei zu leben. Gewalt schränkt die Betroffenen in ihrer Entfaltung und Lebensgestaltung ein.
Häusliche Gewalt

Jede vierte Frau hat mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Partnerschaftsgewalt erlebt. Betroffen sind Frauen aller sozialen Schichten. Opfer von Partnerschaftsgewalt sind zu über 82 % Frauen. Fast die Hälfte von ihnen hat in einem gemeinsamen Haushalt mit dem Tatverdächtigen gelebt. Das zeigt die aktuelle Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS). Demnach wurden 2017 insgesamt 138.893 Personen erfasst, die Opfer von Partnerschaftsgewalt wurden. Knapp 113.965 Opfer waren weiblich.

Frauen werden keineswegs nur in sozialen Brennpunkten von ihrem männlichen Partner geschlagen, vergewaltigt, beschimpft oder gedemütigt. Die Studie "Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen", die 2009 veröffentlicht wurde, belegt, dass auch Frauen in mittleren und hohen Bildungs- und Sozialschichten Opfer von Gewalt werden. Zu den Risikofaktoren gehören neben Trennung oder Trennungsabsicht auch Gewalterfahrungen in der Kindheit und Jugend.

Hilfesystem und Vernetzungsstellen
Hilfe für Opfer von Gewalttaten gibt es an unterschiedlichen Stellen. Von Gewalt betroffen zu sein - das ist eine Erfahrung, die bei vielen Menschen eine tiefe seelische Verwundung (ein psychisches Trauma) hinterlässt. Sie kann zu lebenslangen und schweren Beeinträchtigungen führen. Daher ist eine schnelle fachkompetente psychologische Betreuung und Behandlung nach einer Gewalttat sehr wichtig.


In Traumaambulanzen erhalten Opfer von Gewalttaten ohne langes Warten auf einen Therapieplatz Soforthilfe. Den Gewaltopfern wird in den Einrichtungen möglichst frühzeitig eine qualifizierte Untersuchung und Beratung angeboten. In den Traumaambulanzen soll in den ersten fünf Sitzungen geklärt werden, ob eine psychotherapeutische Behandlungsbedürftigkeit besteht und die behandlungsbedürftige Gesundheitsstörung auf eine Gewalttat zurückzuführen ist.
Traumaambulanzen gibt es in Mecklenburg-Vorpommern für Kinder und Jugendliche und für Erwachsene.


365 Tage im Jahr, rund um die Uhr kostenfrei erreichbar: Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" bietet Betroffenen erstmals die Möglichkeit, sich zu jeder Zeit anonym, kompetent, sicher und barrierefrei beraten zu lassen. Qualifizierte Beraterinnen stehen den Hilfesuchenden vertraulich zur Seite und vermitteln sie bei Bedarf an Unterstützungsangebote vor Ort, etwa an eine Frauenberatungsstelle oder ein Frauenhaus. Barrierefreiheit und Mehrsprachigkeit sichern den Zugang für Frauen mit Behinderung und geringen Deutschkenntnissen. Auch Angehörigen, Freundinnen und Freunden sowie Fachkräften steht das Hilfetelefon für Fragen und Informationen zur Verfügung.

Website des Hilfetelefons


Der Bund plant, in den Jahren 2020 bis 2023 insgesamt 120 Millionen Euro in den Aus-, Um- und Neubau von Frauenhäusern und Beratungsstellen in Deutschland zu investieren. Ziel ist, Hilfseinrichtungen besser zugänglich zu machen, insbesondere für Zielgruppen, die es bislang schwer haben, Schutz und Hilfe zu bekommen. Zum Beispiel soll mit den Bundesmitteln der barrierefreie Ausbau von Frauenhäusern gefördert werden. Außerdem sollen neue räumliche Kapazitäten und innovative Wohnformen für Frauen geschaffen werden, die von Gewalt betroffen sind und gemeinsam mit ihren Kindern Schutz suchen.


Opfer oder Zeugen einer Straftat zu werden, kann das Leben der Betroffenen von einem Tag zum anderen verändern. Hilflos dem Willen eines Täters ausgeliefert zu sein, sich selbst oder anderen nicht helfen zu können, kann die Lebenssituation der Betroffenen entscheidend verändern. Wut, Angst oder Hass können die Folge sein. Oftmals haben die Betroffenen auch Schuldgefühle oder schämen sich für das, was passiert ist.

Die Opferberatungsstellen stehen denjenigen offen, die als Betroffene nicht allein bleiben wollen.

Entschädigung für Opfer von Gewalttaten
Eine Gewalttat ist ein vorsätzlicher, rechtswidriger tätlicher Angriff gegen eine Person. Hierzu zählen auch Sexualstraftaten und sexuelle Übergriffe gegenüber Minderjährigen. Opfer solcher Taten können wegen der gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen einen Anspruch auf Versorgungsleistungen haben. Die Versorgung umfasst Leistungen der Heil- und Krankenbehandlung, Fürsorgeleistungen und eine Beschädigten- bzw. Hinterbliebenenrente. Anspruchsberechtigt sind Geschädigte oder Hinterbliebene. Dazu gehören Witwen, Witwer, Waisen und Eltern. Zu den Geschädigten zählen auch diejenigen, die die gesundheitliche Schädigung bei der rechtmäßigen Abwehr eines vorsätzlichen, tätlichen Angriffs erlitten haben. Die Leistungen werden auf Antrag erbracht. Zuständig für die Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen im Einzelfall und die Leistungsgewährung ist das Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern (LAGuS).
Sexuelle Belästigung
Mehr als zwei Drittel aller Frauen wurden bereits einmal an ihrem Arbeitsplatz von Kollegen oder Vorgesetzten sexuell belästigt. Sexuelle Belästigung schließt alle Handlungen ein, mit denen eine Person eine andere gegen ihren Willen sexuell bedrängt.

Sexuelle Belästigung ist eine Form von Gewalt, die sich vor allem gegen Frauen richtet und bei der es in erster Linie um die Demonstration von Macht geht. Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist verboten und eine Verletzung der arbeitsvertraglichen Pflichten. Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen berät betroffene Frauen zu den verschiedenen Möglichkeiten, Belästigungen wirksam entgegenzutreten. Die Beraterinnen können den betroffenen Frauen auch Anlaufstellen in der Nähe nennen.
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