Neue digitale Suchtberatung startet in MV

Menschen mit einer Suchterkrankung, problematischem Konsumverhalten oder Fragen zum eigenen Konsum können in Mecklenburg-Vorpommern ab sofort auch online professionelle Hilfe erhalten. Das neue Angebot DigiSucht ergänzt die bestehenden Suchtberatungsstellen und ermöglicht eine unkomplizierte, ortsunabhängige Beratung.

Über die Plattform www.suchtberatung.digital können sich Betroffene und Angehörige in einem geschützten Bereich beraten lassen – auf Wunsch auch anonym. Neben dem Austausch per Nachrichten können Termine für Video- oder Textberatungen vereinbart werden. Digitale Hilfsmittel wie Konsumtagebücher oder Motivationshilfen unterstützen dabei, das eigene Verhalten zu reflektieren. Bei Bedarf vermitteln die Beraterinnen und Berater an passende Hilfsangebote vor Ort.

Gerade in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern erleichtert die digitale Beratung den Zugang zu professioneller Unterstützung – unabhängig vom Wohnort. Die Einführung von DigiSucht wird in Mecklenburg-Vorpommern von der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen Mecklenburg-Vorpommern (LAKOST MV) begleitet. Das Angebot ergänzt die persönliche Beratung in den Suchtberatungsstellen und stärkt das bestehende Hilfesystem.

Neuer Suchtbericht für MV veröffenlicht

Der vom Gesundheitsministerium beauftragte Bericht basiert auf den Daten der insgesamt 25 ambulanten Sucht- und Drogenberatungsstellen in Mecklenburg-Vorpommern. „Der Suchtmittelmissbrauch und Drogenkonsum ist in Mecklenburg-Vorpommern ein schwerwiegendes und dauerhaftes Problem. Besonders der Alkoholmissbrauch ist leider weiterhin sehr verbreitet“, hob Stefanie Drese das Hauptergebnis des mittlerweile fünften Suchtberichtes des Landes hervor. „In vielen durch Alkohol bedingten Erkrankungen haben wir Werte zu verzeichnen, die teilweise deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegen“, so Drese. Das gelte vor allem auch bei Todesfällen infolge Alkoholsucht bei Männern. „Das sind erschreckende Zahlen, die uns deutlicher kaum zeigen könnten, dass sich im Umgang mit Alkohol etwas ändern muss“, betonte sie.

Birgit Grämke, Geschäftsführerin der LAKOST, verdeutlicht: „9790 Menschen haben letztes Jahr Unterstützung in einer Einrichtung für Sucht- und Drogenberatung in Anspruch genommen. Davon waren 8836 Menschen mit eigener Symptomatik und 954 waren Angehörige. Die größte Gruppe unter den Hilfesuchenden besteht aus Erwerbstätigen, die 36,9 % der Gesamtzahl ausmachen. Die moderne Arbeitswelt von heute ist geprägt von einem verstärkten Streben nach Erfolg und Leistung, langen Arbeitszeiten sowie anhaltenden Anforderungen an hohe Konzentration und Flexibilität. Fachleute schätzen, dass jede/r fünfte bis zehnte Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterin im Unternehmen einen riskanten bzw. schädlichen Suchtmittelkonsum betreibt. Die Folgen sind oft Fehlzeiten und Ausfälle von Beschäftigten. In Unternehmen ist ein Umdenken erforderlich, um gesundheitsfördernde Maßnahmen und Suchtprävention zu etablieren. Wir empfehlen deshalb allen mittleren und großen Unternehmen, über unsere Landeskoordinierungsstelle einen betrieblichen Suchtkrankenhelfer ausbilden zu lassen.“

Das Land habe mit ESF+-Mitteln in Höhe von fünf Millionen Euro in diesem Jahr das Projekt „Kinder und Jugendliche aus psychisch oder suchtbelasteten Familien“ (KipsFam) ins Leben gerufen. „Eine eigens geschaffene KipsFam-Landesfachstelle informiert und sensibilisiert bereits Eltern und Fachkräfte rund um das Thema Süchte. Ab Oktober werden auch die ersten Anlaufstellen in den Landkreisen und kreisfreien Städten ihre Arbeit aufnehmen“, erklärte Drese. Zusätzlich sollen im Rahmen des Projektes künftig auch zielgruppenspezifische Angebote gefördert werden, die auf die Unterstützung und Stärkung der betroffenen Kinder abzielen.

Der 5. Bericht zur ambulanten Suchthilfe steht in Gänze auch unter www.lakost-mv.de zum Download zur Verfügung.