Neue Broschüre informiert über psychische Krisen rund um die Geburt

Die Geburt eines Menschen ändert das Leben einer Familie von Grund auf: Weniger Platz, weniger Zeit, weniger Schlaf. Mehr Verantwortung, mehr Berührung, mehr Verbindlichkeit. Eltern müssen in ihre neuen Rollen reinwachsen und ihr Kind und auch sich selbst neu kennenlernen. Eine große Herausforderung, mit der viele Mütter und Väter kämpfen.

Besonders Frauen stehen in der Zeit von Schwangerschaft, Geburt und Elternwerden unter hohem Druck. Während die Gesellschaft für diese Lebensphase ein romantisches Bild von Harmonie, Glück und Leichtigkeit zeichnet, bringt die Realität Mütter - und immer häufiger auch Väter - an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Aktuelle Studien zeigen, dass 15 bis 20 Prozent aller Frauen rund um die Geburt psychisch erkranken.

Deshalb ist es so wichtig, den Blick genau dorthin zu richten. Das möchte die Landesfachstelle KipsFam (kurz für: Kinder aus psychisch und/oder suchtbelasteten Familien) mit ihrer Broschüre "Geburt und Psyche" erreichen und Betroffenen eine Stimme geben. Das Heft richtet sich sowohl an Fachleute als auch an junge und werdende Familien. „Mit der Broschüre möchten wir das Thema besprechbar machen und vom Stigma befreien“, so Tanja Bodendorf, Mitarbeiterin der Landesfachstelle. „Angebote für Familien sollten in MV weiter ausgebaut, psychische Belastungen von Eltern gesehen und ernst genommen
werden.“ Dafür ordnen Fachleute die Thematik in dem Heft konkret ein. So zeigt beispielsweise Kathrin Herold vom Landeshebammenverband MV die Versorgungssituation im Bundesland und Conny Kirsten vom Verein Fas(T)D perfekt MV klärt über die Fetale Alkoholspektrumsstörung auf.

Neben Erfahrungsberichten und Fragebögen listet die Broschüre auch verschiedene Anlaufstellen für hilfesuchende Familien auf.

Erfahrungsberichte gesucht

Psychische Belastungen und Suchterkrankungen sind ein Tabuthema, vor allem in Familien. Kinder von erkrankten Eltern lernen oft von klein auf, das Familiengeheimnis zu wahren und die Erwachsenen zu schützen - und verlernen so, ihren Gefühlen zu trauen und sich denen zu öffnen, die helfen könnten. Die Landesfachstelle KipsFam (kurz für: Kinder aus psychisch und/oder suchtbelasteten Familien) in Mecklenburg-Vorpommern möchte ihnen eine Stimme geben und sucht Berichte von Betroffenen. Sie werden gesammelt und im zweiten Halbjahr 2025 anonym in einer Broschüre veröffentlicht.

An der Broschüre beteiligen können sich erwachsene Kinder aus belasteten Familien oder betroffene Eltern, die im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern leben und ihre Erfahrungen zu Papier bringen möchten. Interessierte können sich ab sofort per E-Mail melden: kipsfam@sozialpsychiatrie-mv.de

Sozialpsychiatrischer Dienst