familieninfo-mv.de auf Facebook
familieninfo-mv.de auf Instagram
Veranstaltungstipps
Schwanger mit einem behinderten Kind
Wenn im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen Anzeichen einer möglichen Behinderung des eigenen Kindes auftauchen, ist das für alle werdenden Eltern ein Schock. Aus der Vorfreude auf das Baby wird plötzlich ein Wechselbad aus Besorgnis, Trauer, Wünschen und Hoffen, dass doch alles gut wird. Um die Situation zu bewältigen, ist vor allem eines wichtig: gute Beratung und Begleitung, z. B. in einer Schwangerschaftsberatungsstelle.
Pränataldiagnostik
Die vorgeburtliche Diagnostik hat das Ziel, mögliche Hinweise auf Fehlbildungen und Erkrankungen beim Ungeborenen zu entdecken. Dafür gibt es unterschiedliche Untersuchungsmöglichkeiten und Tests, die zu verschiedenen Zeitpunkten der Schwangerschaft Anwendung finden können. Die Ergebnisse sind nicht immer eindeutig.
Die Ärztin / der Arzt muss die werdenden Eltern im Vorfeld der Untersuchungen über Methodiken, Tests, deren Risiken und die Aussagekraft der Ergebnisse aufklären. Außerdem werden Schwangere auf ihren Anspruch hingewiesen, sich vor, während und nach der pränataldiagnostischen Untersuchung psychosoziale Beratung in Schwangerschaftsberatungsstellen einholen zu können.

Mit dieser Aufklärung geht das „Recht auf Nichtwissen“ einher: Eltern können sich also bewusst dazu entscheiden, ihr Kind unabhängig jeder Untersuchung auszutragen.
Chancen und Risiken der Pränataldiagnostik
Viele Eltern erhoffen sich von der Pränataldiagnostik eine Gewissheit über die Gesundheit des ungeborenen Kindes oder im Falle von Hinweisen für mögliche Beeinträchtigungen zumindest eine Klarheit über deren Ausmaß. Beides kann die Pränataldiagnostik nicht garantieren:
  • Es kann nur ein Teil möglicher Behinderungen oder Krankheiten im Rahmen der Untersuchungen überhaupt erkannt werden.
  • Testergebnisse sind häufig nicht eindeutig.
  • In der Regel können nur Hinweise und Anlagen zu bestimmten Behinderungen erkannt werden. Eine Einordnung in die enorme Spanne der Schwere der Behinderungen oder Erkrankungen ist jedoch selten möglich.
Der Umgang einer klaren und auch unklaren Ergebnislage ist für werdende Eltern eine große Herausforderung und kreist um die Frage: Kann ich bzw. können wir für ein behindertes Kind sorgen? Es ist ratsam, schon zu Beginn der Untersuchungen Kontakt zu einer Schwangerschaftsberatungsstelle zu suchen, um sich dort durch den Bewältigungs- und Entscheidungsprozess begleiten zu lassen.
Beratung und Begleitung vor, während und nach der Diagnose
Die begleitende Beratung einer Schwangerschaftsberatungsstelle ist für Schwangere und deren Partner kostenfrei. Sie kann grundsätzlich unabhängig von möglichen Untersuchungen oder deren Ergebnisse in Anspruch genommen werden.
Es ist zu empfehlen, sich schon im Vorfeld der Untersuchungen beraten zu lassen, um einen Umgang mit möglichen Ergebnissen vorzubereiten oder auch, um sich gegen Untersuchungen zu entscheiden. Auch während der Untersuchung kann eine Begleitung sinnvoll sein, denn manchmal können zwei Wochen vergehen, bis Ergebnisse vorliegen. Diese Zeit des Wartens kann sehr belastend sein.
Nach einer möglichen Diagnose besteht die Möglichkeit, spezialisierte Mediziner*innen hinzuzuziehen, die sich mit den möglichen Krankheiten oder Behinderung auskennen. Ratsam ist es auch, sich von behandelnden Ärzt*innen Kontaktadressen von Selbsthilfegruppen oder Verbänden geben zu lassen, um so mit anderen betroffenen Eltern in den Austausch zu treten.

Bei allen Formen von Beratung gilt: Es gibt keinerlei Beratungszwang. Beratungen verfolgen den Ansatz der Ergebnisoffenheit. Das gilt sowohl für den Fall, dass die Schwangerschaft ausgetragen wird als auch für den Fall, dass im Anschluss an eine Diagnose ein Schwangerschaftsabbruch erfolgen soll.

Das Schwangerschaftskonfliktgesetz schreibt jedoch vor, dass nach der Mitteilung der Diagnose eine dreitägige Bedenkzeit einzuhalten ist. Erst dann kann von der Ärztin oder dem Arzt die schriftliche Indikation ausgestellt werden, mit der der Schwangerschaftsabbruch (auch nach der 12. SSW) durchgeführt werden kann.
Schwangerschaftsabbruch nach einer Diagnose
Nicht jede Schwangere und nicht jedes Paar fühlt sich dazu in der Lage und kann sich vorstellen, für ein behindertes Kind zu sorgen. Und keine Schwangere, kein Paar macht es sich leicht, nach der Diagnose, die möglicherweise schwere Behinderungen des Ungeborenen aufzeigt, eine Entscheidung zu treffen. Es ist eine sehr persönliche Entscheidung, die, am besten gestützt durch eine Beratung, jeder Frau und jedem Paar selbst obliegt.
Die medizinische Indikation durch die behandelnde Ärztin oder den Arzt hält schriftlich fest, dass die Fortsetzung der Schwangerschaft die körperliche oder seelische Gesundheit der Schwangeren schwerwiegend beeinträchtigt und diese Gefährdung durch keine zumutbare Weise abzuwenden ist. Auf dieser Grundlage ist der Schwangerschaftsabbruch auch nach der 12. SSW rechtlich möglich.
Ein nicht lebensfähiges Kind austragen
Ärzt*innen und Berater*innen betonen immer wieder, dass jede Frau, jedes Paar und jede Familie einen eigenen Weg finden muss, wenn in der Schwangerschaft festgestellt wird, dass das Ungeborene nicht lebensfähig sein wird: Es gibt hier kein "richtig" oder "falsch".
Für manche ist es unerträglich, ein todkrankes Kind weiter in sich zu tragen und mit der Ungewissheit zu leben, dass es jederzeit auch schon im Mutterleib sterben könnte. Sie sehen im Abbruch der Schwangerschaft auch die Beendigung der Ungewissheit, um dann mit der Trauer und Bewältigung beginnen zu können.

Auch das Austragen des nicht lebensfähigen Kindes ist eine ebenso bestehende Möglichkeit, um mit der Situation umzugehen: Eltern die diesen Weg gehen, möchten der Natur freien Lauf lassen und hoffen auf die Chance, ihr Kind zumindest kurz kennenzulernen. In verschiedenen Vereinen und in Online-Foren finden Eltern Informationen, Begleitung sowie Austausch mit betroffenen Eltern und Beistand.

Familieninfo im Abo – mit unserem Newsletter immer auf dem neuesten Stand bleiben.



© 2020 Familieninfo Mecklenburg-Vorpommern