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Medien und (Klein)Kinder - die richtige Balance finden
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28. Dezember 2022 | Diana Wienbrandt

Wer erziehungsberechtigt ist, kennt diesen Satz bestimmt: „Das ist jetzt aber die letzte Folge!“ und wahrscheinlich auch die sich anschließende Diskussion. Doch in welchem Maße sollte Mediennutzung in den Familienalltag integriert werden? Mit Fragen rund um die digitale Welt beschäftigt sich Christian Krieg, Referent für Mediensuchtprävention bei der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen (kurz LAKOST), seit einigen Jahren. „Das Thema ist eine Herausforderung für Alle - Erziehungsberechtige und Kinder! Umso wichtiger ist die Sensibilisierung."

Christian Krieg, LAKOST MV

Mit der neuen Social Media- und Postkartenkampagne "Foto gemacht – Moment verpasst" wollen wir dazu aufrufen, mehr Aufmerksamkeit auf den Moment zu lenken anstatt nur einen Instagram-fähigen Schnappschuss zu kreieren.

Mediennutzung in der frühen Kindheit, was gilt es zu beachten?

Zunächst möchte ich anmerken, dass Mediennutzung über alle Altersgruppen hinweg ein Thema ist. Auch die Kleinsten nutzen bereits Medien, beispielsweise wenn die Eltern ein Buch vorlesen oder sie Lieder im Radio hören. Wichtig ist, dass diese ersten Medienerfahrungen von Eltern und Kind gemeinsam erlebt werden. Problematisch wird es, wenn Kinder dauerhaft allein und passiv Medien konsumieren. Es fehlt dann insbesondere bei den Jüngsten der soziale Austausch über das Gesehene.

Grundsätzlich sollten digitale Medien in der frühen Kindheit nur selten und gemeinsam genutzt werden. Darüber hinaus gilt: Alles was ein Kind mit sämtlichen Sinnen wahrnehmen kann, begreift es im wahrsten Sinne des Wortes einfacher. Ein kurzes Beispiel dazu: Wenn wir ein Video von einem Hund sehen, dann können wir erkennen, wie er aussieht, wie er klingt, wenn er bellt und vielleicht wie er sich bewegt. Was wir nicht erfahren ist, wie es sich anfühlt einen Hund zu streicheln oder seinen Geruch wahrzunehmen. Dies alles sind aber wichtige Aspekte für die Entwicklung von Kleinkindern.

Welche Tipps sollten Eltern bei der Mediennutzung ihrer Kinder beachten?

Es gibt ein paar einfache Tipps, die uns auf den ersten Blick selbstverständlich erscheinen, aber im Alltag häufig gar nicht so leicht umzusetzen sind.

  1. (Gemeinsam) Regeln zur Mediennutzung aufstellen
    Kinder brauchen Regeln, egal ob auf Medien oder andere Themen bezogen. Sie geben ihnen die Leitplanken vor, innerhalb derer sie sich bewegen können. Als Eltern und Erziehungsberechtigte ist es unsere Aufgabe Verantwortung für unser Kind zu übernehmen. Wir sollten ihnen also keine Entscheidungen zumuten, die eigentlich in unseren Verantwortungsbereich fallen. Ihr Kind kann gerne entscheiden welchen seiner Lieblingstrickfilme es ansieht. Wie lange es diesen schaut, entscheiden aber Sie.
  2. Vertrauen aufbauen/ Interesse zeigen
    Erziehungsberechtigte sollten sich aktiv darum bemühen die digitale Lebenswelt ihres Kindes zu verstehen. Auch wenn Ihnen dies als Zeitverschwendung erscheint, Ihr Kind findet online Spaß, Unterhaltung, soziale Teilhabe und viele weitere Dinge. Gehen Sie in den Austausch, lassen Sie sich die Faszinationskraft beschreiben und hinterfragen Sie Dinge, die Ihnen kritisch erscheinen. Wichtig ist, dass Sie die grundlegenden Regeln zur Mediennutzung zuvor bereits festgelegt haben! Selbstverständlich sollte Ihr Kind nur Inhalte zu sehen bekommen, die dem Alter und Entwicklungsstand angemessen sind. Machen Sie sich bewusst, dass sich Ihr Kind, wenn es sich von Ihnen gesehen und ernst genommen fühlt, das Vertrauen entwickelt, sich auch in peinlichen oder beängstigenden Situationen an Sie zu wenden. In der heutigen Zeit sind Cybermobbing und Cybergrooming leider keine Seltenheit und dieser Aspekt deshalb umso wichtiger.
  3. Vorbild sein
    Ihr Kind, insbesondere wenn es noch jünger ist, wird Sie als Erziehungsberechtigten genau beobachten und aus Ihrem Verhalten lernen. Bevor Sie Regeln zur familiären Mediennutzung aufstellen, betrachten Sie Ihr eigenes Nutzungsverhalten. Wie lange sind Sie täglich mit Ihrem Smartphone beschäftigt? Wofür nutzen Sie es? Gibt es Situationen in denen Sie digitale Geräte nutzen, aber es Ihren Kindern verbieten würden? Wichtige Fragen, auf die Sie eine Antwort für sich finden sollten. Dazu gibt es die Möglichkeit sich von seinem Smartphone das eigene Nutzungsverhalten anzeigen zu lassen. Ein Tipp von mir: Leben Sie das Verhalten vor, welches Sie sich von Ihren Kindern wünschen.
  4. Konflikte aushalten
    Ohne Zweifel wird es auch bei der Nutzung digitalen Medien zu Streit kommen. Insbesondere umso älter Ihre Kinder werden. Das kann sehr nervenzehrend und anstrengend sein, ist aber grundsätzlich keine neue Herausforderung. Egal, ob es das Thema zu Bett gehen, Zimmer aufräumen oder die Nutzung digitaler Medien betrifft, Meinungsverschiedenheiten gehören dazu. Diese gut zu lösen oder zumindest auszuhalten, ist die eigentliche Kunst.

Kinder und Mediennutzung - schützen Regeln, Verbote und Kontrolle?

Ein klares Jein. Natürlich ist es sinnvoll, wie oben bereits erwähnt, Regeln für die Mediennutzung aufzustellen. So wie wir es auch für das Verhalten im Straßenverkehr tun würden. In beiden Fällen gibt es keine hundertprozentige Sicherheit. Kinder und Jugendliche werden versuchen das Internet zu erkunden und auch Inhalte entdecken, die eigentlich nicht für sie geeignet sind. Bitte nutzen Sie Schutzsoftware, um zumindest ein Basislevel an Schutz zu gewährleisten.
Auf der Webseite www.medien-kindersicher.de steht Ihnen ein kostenfreies Online-Informationsangebot zur Verfügung, welches Erziehungsberechtigten verständliche Antworten auf genau diese Fragen liefert. Auf der Webseite werden alle gängigen Geräte und Dienste vorgestellt, komplizierte Einstellungsmöglichkeiten in einfachen Schritten erklärt und eingeordnet. Erziehende finden so auf einen Blick mögliche Lösungen – angepasst an Alter, Entwicklungsstand und genutzte Geräte.

Darüber hinaus bietet der „Medien-kindersicher-Assistent“ die Möglichkeit, sich eine maßgeschneiderte Schutzlösung auf Grundlage von Alter und genutzten Geräten und Diensten erstellen zu lassen.

Die Webseite www.klicksafe.de hält ebenfalls viele Informationen und Materialien für Erziehungsberechtigte. Dort finden Sie Tipps für die Beantwortung der Frage, wann Kinder reif für ein Smartphone sind und weitere Information zum Umgang.

Welche Angebote zur Medienkompetenzförderung gibt es in MV?

Wir haben in MV mittlerweile einige Institutionen die sich genau mit diesem Thema auseinandersetzen. Dazu gehört ganz besonders die Medienanstalt MV, mit ihren vielfältigen medienpädagogischen Angeboten für alle Altersgruppen. Die dazugehörigen Mediatope in Rostock, Neubrandenburg, Schwerin, Greifswald und Malchin bieten die Gelegenheit sich aktiv mit Medien (-Produktion) auseinanderzusetzen.

Darüber hinaus ist auch der Landesdatenschutz MV mit seinen Projekten Medienscouts MV und Medienguides MV sehr engagiert in der  Medienkompetenzförderung. Weiterhin bietet auch die Landespolizei MV mit ihren Mediensicherheitsberater*innen und dem Projekt Helden statt Trolle umfangreiche Präventionsangebote zum Thema Internetsicherheit und Cybermobbing an.

Eine Übersicht vieler medienpädagogisch tätiger Akteure finden sie HIER.

Herr Krieg, was genau ist die LAKOST und was sind ihre Aufgaben?

Die LAKOST ist ein vom Land MV gefördertes Projekt, welches sich im großen Themenbereich der Abhängigkeitserkrankungen engagiert. Wir verstehen uns als Ansprechpartner für Fachkräfte aus der Suchthilfe oder dem Bildungs- und Erziehungswesen aber natürlich auch für interessierte Bürger*innen. Wir unterstützen Fachkräfte sowohl in der Suchthilfe als auch in der Prävention. Dazu gehören Fortbildungsangebote, Vernetzungstreffen und die Koordination von landesweiten Aktionen.

Darüber hinaus entwickeln wir eigene Projekte für die Prävention, z.B. unser Fachkräftefortbildung "Spielen, Zappen, Klicken" oder das Kitaprojekt „Medienstarter“.



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